Foto: Archivio CRF

40 Jahre!

Wenn man die Zeit eines Dorfes mit der Zeit von Menschen vergleicht, könnte man sagen, dass für  die Mariapoli Foco das reife Alter gekommen ist. In diesen Tagen ist in der Siedlung etwas Neues zu spüren, das alle in die Vorbereitungen für den 15. und 16. Oktober einbezieht: grosse Begeisterung und grosse Freude, diese 40 Jahre mit so vielen Menschen teilen zu können.

Montet, ein kleines Dorf in der Broye, begrüsst unter seinen Einwohnern eine kosmopolitische Realität. Die Fokolare leben dort seit 1981. Seitdem wurden in dieser kleinen Siedlung 2446 Studenten aus 95 Ländern und von fünf Kontinenten ausgebildet. Die Mehrheit der Einwohner (Bewohner und Studenten) ist christlich (reformiert, katholisch, pfingstlich ...), aber im Laufe der Jahre hat es auch an Angehörigen anderer Religionen nicht gefehlt. Einige kommen aus Ländern, in denen Krieg herrscht, andere aus reichen Ländern oder Entwicklungsländern. Unter ihnen sind die unterschiedlichsten Berufe: Ingenieure, Ärzte, Arbeiter, Informatiker. Andere, Studenten verschiedener Fachrichtungen, unterbrechen ihr Studium für ein Jahr, um es nach ihrer Rückkehr in die Heimat wieder aufzunehmen. 

Die Zusammensetzung dieser Bewohner ist originell: 50% sind Jugendliche und 50% sind Erwachsene, und sie kommen aus der ganzen Welt. Eine strategische Mischung, die Kontinuität und Innovation in einer sehr dynamischen und reichhaltigen intergenerationellen und interkulturellen Wechselwirkung garantiert.

Ein kleines Volk, das sich in der Schule des Evangeliums, das es jeden Tag zu leben gilt, von Montet aus aufmacht, um im eigenen Land an einer vereinten Welt mitzubauen.

Chiara Lubich bestätigte, dass diese Einheit, trotz der vielen Herausforderungen, ein Zeichen der Zeit ist: "Einheit. Aber was ist Einheit? Kann die Einheit verwirklicht werden? Einheit ist das, was Gott von uns will. Einheit bedeutet, das Gebet Jesu zu verwirklichen: "Vater, sie sollen eins sein, wie Du und ich eins sind. Ich in ihnen und Du in mir, damit sie eins seien” (vgl. Joh 17,21). Aber die Einheit kann nicht allein aus eigener Kraft erreicht werden. Sie kann nur durch eine besondere Gnade verwirklicht werden, die vom Vater kommt, wenn sie in uns eine besondere Veranlagung findet, eine genaue und notwendige Voraussetzung. Es ist die von Jesus befohlene gegenseitige Liebe, die in die Tat umgesetzt wird."[1]

Heute brauchen wir nicht so sehr Theorien, sondern Modelle zum Anschauen, zum "Anfassen". Die Tatsache, dass wir ein - wenn auch kleines - Stück Land haben, ein "Laboratorium der Brüderlichkeit", in dem Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft aus der ganzen Welt versuchen, Tag für Tag eine geeintere Welt aufzubauen, könnte zunehmend zu einem Modell werden, an dem man sich orientieren kann, dank seiner Früchte und auch wegen der Herausforderungen, die das interkulturelle Zusammenleben mit sich bringt.

In gewisser Weise war der Traum von einer solchen Werkstatt schon in den ‘50er Jahren entstanden, als Max Frisch[2] zusammen mit zwei Freunden das Buch "Achtung: die Schweiz" veröffentlichte. Gemeinsam hatten sie von einer neuen Stadt "geträumt", von Menschen, die von einem Ideal beseelt sind, das die Kraft hat, Hoffnung zu geben, die Menschen an Werte glauben zu lassen, die die menschliche Seele erheben können, und ... sie hatten sich eben diese Stadt in der "Drei-Seen-Region" (Murten-Biel-Neuenburg) vorgestellt.

Il quarantesimo: un anno per ringraziare, per condividere, per ripartire, per guardare al futuro, per scoprire i piani di Dio sulla Mariapoli Foco e seguire i Suoi progetti, insieme a tutti quelli che desiderano esserne partecipi. Forse anche voi che leggete queste righe.

Das vierzigste Jahr: ein Jahr des Dankes, des Teilens, des Neubeginns, des Blicks in die Zukunft, der Entdeckung von Gottes Plänen für die Mariapoli Foco und der Verwirklichung Seiner Pläne, zusammen mit allen, die daran teilhaben wollen. Vielleicht auch Sie, die Sie diese Zeilen lesen.

Wir sind zutiefst herausgefordert durch die Worte, die Bischof Charles Morerod bei seinem letzten Besuch zu uns sagte: "Meine Vorstellung der Kirche ist die Fortführung des Evangeliums. Aber lasst es uns zeigen!"[3]. Eine Einladung, von der wir möchten, dass sie Tag für Tag immer mehr zur Wirklichkeit werde. Es ist die Erfahrung, die wir mit Jung und weniger Jung teilen können, um "die Kraft des täglichen Lebens des Evangeliums und die Kraft der Geschwisterlichkeit" zu bezeugen, wie Céline Ruffieux[4]sagte.

 


[1] Chiara Lubich, Conversazioni, Città Nuova, 2019, p. 523-524 (auf italienisch)

[2] Max Frisch, 1911-1991, Schweizer Schriftsteller und Architekt

[3] Besuch in der Mariapoli Foco, 8.6.2022

[4] Bischöfliche Beauftragte für die Diözesanregion Freiburg (französischer Teil), Besuch in der Mariapoli Foco, 8.6.2022