Danke, Pierre-André

Für den letzten Gruss an Pierre-André Blanc füllte eine grosse Menge an Freunden und Bekannten die Kirche von Cugy, um der Kostbarkeit seines Lebens, das für so viele erreichte, Zeugnis zu geben.

Pierre-André wurde am 2. April 1962 in Sion (CH) geboren und wuchs in Ayent, einem schönen Dorf im Wallis (CH), auf. Er war das fünfte von sechs Kindern.  Nach der Ausbildung zum Fachpädagogen studierte er Theologie in Freiburg.

Im Alter von 18 Jahren nahm er zusammen mit verschiedenen Freunden aus seinem Dorf am Genfest in Rom teil. Für ihn war es: "Eine außergewöhnliche Erfahrung, die mich Gott als Liebe entdecken liess. Ich war beeindruckt von der Qualität der Beziehungen zwischen den Menschen und der Freude, die sich in ihren Gesichtern zeigte. Nach Hause zurückgekehrt, habe ich hart gearbeitet, um dieses neue Ideal der Einheit zu leben. Mein Leben hat sich verändert. Ich war es eher gewohnt, Gott auf Skiern “zu begegnen”, während Einkehrtagen in den Bergen, und glaubte nicht, dass es möglich sei, ein tägliches Abenteuer mit Jesus in allen Aspekten meines Lebens zu verwirklichen".

Er engagierte sich in diesem evangelischen Leben, indem er die Menschen um sich herum konkret liebte. Nach Überwindung der ersten Hindernisse, entstand ein Vertrauensverhältnis zu Jesus in ihm. So sagte er zu einer Gruppe junger Menschen: "Damals begann ich, in einem Haus mit jungen Menschen in Schwierigkeiten zu arbeiten. Mein Ideal der Einheit wurde auf die Probe gestellt. Ich wollte diese jungen Menschen lieben, ihnen etwas bringen, aber es schien mir, dass ich sie nicht wirklich lieben konnte. Ich begann, an mir selbst zu zweifeln. Ich sah mein neues Ideal als etwas Grossartiges, Schönes und fühlte, dass ich diesem nicht entsprechen konnte. Es war ein Moment der intensiven Überprüfung meines Lebens. Ich erkannte, dass ich in diesem Leben mit Jesus Ihm einen Platz überlassen musste und vor allem Ihm vertrauen musste. Mit meiner eigenen Kraft wurde alles beschränkt, schwierig. Die folgenden Monate waren ganz anders, ich fing an, in den kleinen Dingen zu lieben und alles änderte sich.

Im Lichte dieses evangelischen Lebens ist in ihm Klarheit über seine Berufung gereift. Meine Ängste, Gott auf totalitäre Weise zu folgen, haben seinen Eingriffen keinen Widerstand leisten können. Ich habe einfach versucht, das Evangelium in einer konsequenten Weise zu leben, und Gott hat den Rest getan. Ich habe verstanden, wie sehr Er mein Glück wollte und vor allem, dass ich in seinen Augen einen enormen Wert habe, dass er mich liebte. Diese Erfahrungen haben so viel Licht in mein Leben gebracht, dass es mir selbstverständlich schien, Ja zu Jesus zu sagen, Ihm zu folgen, dorthin wo ich mich berufen fühlte, im Fokolar”.

Viele Jahre lang leistete er einen wertvollen und sorgfältigen Beitrag zum Leben der Gemeinschaft der Fokolare. Er war für alle ein wahrer Bruder, der sich mit Grosszügigkeit, Konkretheit und Diskretion zur Verfügung stellte und dabei immer seinen diskreten Charakter bewahrte.

Im beruflichen Bereich, als Erzieher, zuerst mit Behinderten und dann mit jungen Menschen in Schwierigkeiten in der Schule, zeigte er grosse Hingabe und Liebe.

Immer ganz nah am Menschen, fröhlich und mit feinem Sinn für Humor, gab sich Pierre-André bedingungslos hin vor allem für die Jugendlichen. Einer von ihnen drückte es so aus: "Ich kann sagen, dass es jedes Mal, wenn wir uns mit Pierre-André trafen, wirklich ein Fest und eine aufrichtige Umarmung war. "Selig sind die reinen Herzen, denn sie werden Gott sehen" ist der Satz, der am meisten in mir widerhallt wenn ich an jeden Moment mit ihm zurückdenke.... und es ist das, was mich am meisten tröstet. Danke, Freund, Bruder, für die Liebe, die ich, wie so viele andere, von dir erfahren durfte”.

In all diesen Jahren wusste Pierre-André ein Freund vieler Menschen jeden Alters zu sein.

Dieses Jahr, Ende Mai, traten Symptome einer Depression auf. Obwohl er unmittelbar von einem Facharzt behandelt wurde, wurde es notwendig, ihn Ende Juni in eine Klinik einzuweisen. Die Mitglieder seines Fokolars erzählen von dieser Zeit.

"Wir besuchten Pierre-André fast jeden Tag und er war sehr dankbar für die Liebe, die er spürte, und für die konkreten Dinge, die wir erbringen konnten. Nach einer gewissen Zeit durfte er an den Wochenenden zurückkehren. Im Oktober kehrte er ganz nach Hause zurück, immer vom Spezialisten betreut. Im Fokolar haben wir uns darauf verständigt, ihn eine entspannte Atmosphäre finden zu lassen, die es ihm ermöglichen würde, sich wohl zu fühlen. Seine Anwesenheit hat daher die Liebe zwischen uns verstärkt. Trotzdem fürchtete er, uns eine Last zu sein. In Wirklichkeit war er immer ein Geschenk für uns. Wir versuchten, ihn so gut wir konnten zu begleiten, oft halfen wir ihm beim Anziehen, bei der Einnahme der verschriebenen Medikamente, bei der Erledigung der Formalitäten bezüglich Arbeit oder Gesundheit, wir gingen zusammen spazieren, wir begleiteten ihn zur Messe und manchmal auch zur Teilnahme an festlichen Momenten. Pierre-André versuchte, seinen Teil dazu beizutragen. Er war in der Tat ein Geschenk. Oft  bemühte er sich, bei der Zubereitung des Essens zu helfen und wollte wissen, ob es uns gut geht. Sowie wir ihn in dieser Haltung sahen, glaubten wir, dass er begann sich zu erholen, in Wirklichkeit aber war es sein Geist, der über die Krankheit hinaus handelte. Es scheint uns, dass wir in dieser Zeit wie eine wahre Familie gelebt haben, in der menschliche und übernatürliche Liebe sich einen. Das ist der Grund weshalb wir ihn auf der einen Seite vermissen, auf der anderen Seite aber die Beziehung zu ihm weitergeht und wir ihn immer an unserer Seite spüren".

Wir alle in der Siedlung empfinden eine tiefe Dankbarkeit für sein Leben und für die feine Liebe, die er all denen entgegengebracht hat, denen er begegnet ist, und das bis zum Ende. Wir sind zuversichtlich, dass er uns auf dem Weg des Lebens weiterhin unterstützen wird.

"Dein Weggang Pierre-André war für uns zu unerwartet, aber dein Wort des Lebens aus dem Buch Jesaja lässt uns den Blick der Liebe erkennen, mit dem Gott dich - wie wir denken - im Paradies willkommen geheissen hat: "Ich habe dich beim Namen genannt: Du gehörst mir". (Jesaja 43,1)".