Foto: Archivio CRF

Die Geburt der Gen Schule

Am 31. März 1990 feierten 20.000 junge Menschen im Palaeur in Rom das Genfest[i]: “Vereinte Welt - ein Ideal wird Geschichte". Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung stand der Fall der Berliner Mauer, der wie ein Schritt zur weltweiten Einheit aussah. Insbesondere erinnern wir uns an den Besuch von Johannes Paul II., der die jungen Teilnehmer ermutigte[ii]: "Mein Wunsch ist es, dass auch ihr wie die Propheten und Apostel antwortet: 'Hier bin ich, Herr, sende mich'. Dann werdet ihr erleben, dass es möglich ist, den grossen Werten, die die Menschen heute und immer faszinieren, Bedeutung und Aktualität, Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit zu verleihen: Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Entwicklung, Förderung jedes Menschen. Der Weg zu einer geeinten Welt führt, wie ihr wisst, über Christus. In euch allen brennt der Wunsch nach echter Brüderlichkeit. In euch ist die Gewissheit, dass sie in Christus und in der Kraft seines Geistes verwirklicht wird. In euch wiederum ist die Überzeugung, dass nur das Wort des Evangeliums die Erwartungen der neuen Welt erfüllen kann".

22 junge aus Brasilien, Asien usw. kommen vom Genfest für 2 Monate an die Mariapoli Foco. Fünf von ihnen beschliessen, ihren Aufenthalt bis zum Ende des Jahres zu verlängern, um durch die Ausbildung in der Spiritualität der Einheit und im konkreten Leben das starke Zeichen vom Palaeur zu vertiefen.

Nach dem positiven Ergebnis dieser Erfahrung kommen Anfang 1991 weitere 12 junge Menschen. Sie kamen aus verschiedenen Gegenden Brasiliens. Ihr Alter reichte von 17 bis 28 Jahren. Sie wurden von einem brasilianischen Fokolar, Saad Zogheib, begleitet, der die Früchte der ersten "spontanen" Schule sah und sie auch heute noch als eine "sehr wertvolle Erfahrung der Arbeit und der menschlichen Bildung" bezeichnet. “Es war ein Zeichen der Tiefe, der Ernsthaftigkeit, ohne die festliche Dimension zu vernachlässigen. Die sorgfältige Ausbildung und die tiefen Beziehungen der Jugendlichen untereinander und mit den Bewohnern der Mariapoli Foco" waren sehr deutlich zu spüren.”

Alle spürten die Früchte des gelebten Charismas von Chiara Lubich, der Solidarität und des Glaubens. Bei vielen bleibt die Erinnerung an die Gen Schule[iii] auch heute noch wie ein besonders glücklicher Moment in ihrem Leben: eine unvergessliche Erfahrung.

Saad fährt fort: "Ein wichtiger Aspekt für diese jungen Menschen war die Arbeit. Die Möglichkeit, zu arbeiten, für ihren Aufenthalt zu bezahlen und Verantwortung zu übernehmen, wurde als sehr positiv empfunden, so dass einige von ihnen aus den in Montet durchgeführten Aufgaben ihre eigenen Arbeitsinitiativen entwickelten, wie z. B. die Instandhaltung von Gebäuden oder eine kleine Spielzeugfirma.  Es war eine anspruchsvolle Entscheidung: Es ging nicht um spirituellen Tourismus, aber mit Grosszügigkeit entschieden sie sich dafür, an einem echten Projekt mitzuarbeiten, das sich mit dem Beitrag aller Tag für Tag verwirklichte".

Im folgenden Jahr kamen weitere junge Leute hinzu, um die Siedlung zu bereichern. Und das geschieht seither Jahr für Jahr. Die Gen-Schule, die 26 Jahre lang nur für junge Männer gedacht war, wurde 2017 auch für die jungen Frauen geöffnet, die seitdem aus den verschiedensten Teilen der Welt nach Montet kommen, um "ihr Jahr Gott zu schenken". Sie kommen mit dem Wunsch, eine tiefe Erfahrung mit Gott, mit der Arbeit, mit der Einheit, mit der Schulung zu machen, um als Person und als Gläubige zu wachsen und sich selbst besser kennenzulernen.

Ihre Anwesenheit ist jedes Jahr ein Aufblühen von neuem Leben in der Siedlung. Gemeinsam mit der erwachsenen Generation erleben sie Gegenseitigkeit, und jeder von ihnen setzt seinen eigenen "Baustein", der in der Zeit bleibt, und bezeugt: "Ich war dabei".

Prophetisch war die Antwort von Chiara Lubich an die ersten Jugendlichen im Jahr 1991, die sie fragten: "Chiara, was bedeuten die Gen in der Mariapoli Foco für dich?  

“Ihr seid der Anfang von allem, das sich entwickeln muss. Ihr seid es, die Hoffnung machen, dass eine Stadt entsteht, denn es gibt nicht nur die Fokolare, sondern auch die Gen. Deshalb seid ihr eine grosse Hoffnung. Hast du schon diese Blumen gesehen, die Schneeglöckchen? Nach dem Schnee erscheint endlich eine wunderbare, weisse, prächtige Blüte. Ihr seid die Schneeglöckchen der Siedlung von Montet. Ihr gebt Hoffnung, dass die ganze Siedlung aufblühen wird, weil auch ihr da seid".



[i] Das Genfest (organisiert von der Jugend der Fokolar-Bewegung) ist ein Treffen junger Menschen, die der Welt zeigen wollen, dass universelle Brüderlichkeit, eine vereinte Welt, ein Ideal ist, für das es sich lohnt zu leben. Im Laufe der Jahre hat sich das Genfest zu einem grossen Festival der Ideen, Gedanken und Aktionen entwickelt, das Tausende von jungen Menschen dazu inspiriert, ihr Leben, ihre Zukunft und letztlich die Welt zu verändern.

[iii] https://www.focolari-montet.ch/de/seite/lebensschule