Eine Geschichte aus dem Leben - 10

12 Monate, 12 Kapitel, 12 Zeugen, die jeden Tag das Ideal verwirklichen, das Gott durch Chiara der ganzen Welt gegeben hat. Eine lebendige Geschichte, die sich in vielen Männern und Frauen heute noch fortsetzt.

 

10 - Von Trient in die Welt

 

            Kommen wir auf unsere kleine Geschichte zurück; sie endet mit einem neuen Verständnis von Maria. Dieses steht so überraschend im Einklang mit dem gegenwärtigen Selbstbewusstsein der Kirche, dass wir sagen können, dass alle Eckpfeiler unserer Spiritualität nur einen grossen Zweck haben: die Einheit, weil sie zur Verwirklichung des Gebetes Jesu beitragen: "Mögen alle eins sein". Da dieses Unternehmen die menschlichen Fähigkeiten übersteigt, war eine besondere Gabe Gottes erforderlich, um es zu verwirklichen. Diese Gabe, dieses Charisma, manifestierte sich in zwölf Realitäten oder Lichtpunkten, wie Flammen eines einzelnen Feuers, die dann aus einer kleinen Glut zu einem grossen Feuer wurden. Die Geschichte geht weiter.

            Soweit die Wurzeln eines Werkes, die - wie wir verstehen - im Himmel sind, und aus denen ein Baum, der auf der Erde blüht, sein Lebensblut bezieht. Jeder seiner neuen Zweige, jedes Blatt, jede Frucht wird von einer tiefen, klaren Quelle gespeist, ohne die es kein Wachstum gäbe. Es ist die Spiritualität, von der wir gesprochen haben: das gelebte Wort Gottes, die gegenseitige Liebe, die Gegenwart Jesu unter uns, eine ausschliessliche, manchmal heroische Liebe für den gekreuzigten und in seinen tausend Gesichtern verlassenen Jesus...

            Dieser verborgene Schatz, dieses Lebenselixier, das in den Herzen der ersten Fokolarinnen und der ersten Fokolare deponiert war, würde sie auf dem beginnenden Abenteuer begleiten. Nach dem Krieg konnte man sich endlich frei in Italien bewegen; und diese kleine Gruppe, die von einem grossen Ideal angefeuert war. schwärmte aus ins ganze Land. Man reiste zum Studium, zur Arbeit oder um Zeugnis abzulegen: In der Tat wurden wir in viele Städte und Gemeinden gerufen, um zu erzählen, was wir gelebt und gesehen hatten.

            Bald gediehen christliche Gemeinschaften nach dem Vorbild der in Trient entstandenen vom Norden bis zum Süden Italiens. Einige von uns zogen nach Rom; aber gut zehn Jahre lang, von 1949 bis 1959, kehrten wir im Sommer mit einer immer grösser werdenden Zahl von Menschen in unsere Berge zurück, um eine temporäre Siedlung zu errichten: die Mariapolis.

            Mit einer Ausbreitung, die mit Recht als "Explosion" bezeichnet wird, hat die Bewegung inzwischen die Grenzen der europäischen Länder überschritten. Seit 1958 an erreichte sie die anderen vier Kontinente. Heute ist sie in 182 Nationen der Welt vertreten und umfasst Millionen von Menschen. (Fortsetzung folgt)

 

Diese Geschichte wurde von Chiara Lubich zu verschiedenen Zeitpunkten selbst erzählt. Die Texte stammen aus dem ersten Kapitel des Buches “Un popolo nato dal Vangelo", E. Fondi - M. Zanzucchi, S. 12-13, Editrice San Paolo.  Historische Hinweise zu den verschiedenen Reden finden Sie auf S. 3.