Foto: Maciel Alvez

Foco und "seine" Mariapoli

Palmira Frizzera erinnert sich, dass Chiara Lubich ihr zu Beginn der Siedlung den Ort gezeigt hatte, an dem ein Bild von Igino Giordani (Foco[1]) angebracht werden sollte. Ohne dieses Detail zu kennen, versuchten einige Bewohner der Mariapoli im vergangenen Frühjahr herauszufinden, wo seine von Peter Kostner geschaffene Statue platziert werden sollte. Sie fanden einen geeigneten Platz in der Halle und entdeckten später, dass es genau derselbe Ort war, den Chiara angegeben hatte. Ein Zufall?

Jetzt ist Foco da! Es ist eine Ehre, ihn hier zu haben. Wenn man neben ihm auf der Bank sitzt, wie es so viele getan haben, kommt das Gespräch mit dieser Person, die Chiara als "Mitbegründer der Fokolar-Bewegung" bezeichnete, spontan aus dem Herzen.

Andrea Paganini [2], Professor, Forscher, Autor mehrerer kritischer Essays und Literaturliebhaber, hat ein besonderes Interesse an Igino Giordani, dem Schriftsteller. In einem Interview erzählt er uns:

"An einem Stand für gebrauchte Bücher sah ich ein Buch, kaufte es und las es. Für mich ist es ein aussergewöhnliches Buch: 'Il fratello' (Der Bruder) von Igino Giordani. Es stammt aus den frühen 1950er Jahren und verdeutlicht, dass der Bruder nicht von der Beziehung zu Gott ablenkt, sondern ein einzigartiger Weg zur Begegnung mit Gott sein kann. Es ist ein Paradigmenwechsel, den das Ideal der Einheit[3] vermittelt, und das ist der Punkt, wo Giordani mich ganz gefesselt hat. Er hat seine Zeit, das zwanzigste Jahrhundert, intensiv, authentisch und tiefgründig gelebt, als Protagonist im kulturellen, politischen und religiösen Bereich, als umfassender Christ".

 

Später wagt es Paganini, an der Universität Zürich eine Dissertation über Giordanis Roman "La città murata" zu schreiben. Es war eine Herausforderung, die nicht ohne Hindernisse ablief: weitermachen oder umsteigen? Der verantwortliche Professor mischt sich ein und ermutigt ihn: "Mach weiter. Ich habe gesehen, dass dieser Giordani jemand ist, der schreiben kann, jetzt muss er mir zeigen, dass er ein Künstler ist. Die Herausforderung wurde angenommen!

Andrea Paganini erklärt: "In meiner Arbeit habe ich eine semiotische Analyse durchgeführt: eine eingehende Analyse des Inhalts des Textes, um zu verstehen, welche Botschaften er auf symbolischer, menschlicher, christlicher und politischer Ebene enthält.

Die fertige Dissertation sandte er an die Familie von Giordani, die ihre Freude darüber ausdrückte, und an Chiara Lubich, die ihm schrieb: "Du wirst sehen, dass Foco vom Himmel aus dich bei deinen Nachforschungen begleiten wird". "Ich kann sagen, dass es wirklich so war", bestätigt Paganini, "sowohl in der Forschung in Arbeit und Studium, als auch in der Suche im Leben und der Berufung: Ich kann sagen, dass ich auch dank ihm das Material für meine Doktorarbeit gefunden habe".

Und wenn Giordani jetzt reinkommen würde, was würde Andrea Paganini zu ihm sagen?

Er antwortet mit einem Lächeln, das die Tiefe seiner Beziehung zu Giordani verrät: "Zunächst möchte ich ihn umarmen und ihm danken, weil ich das Gefühl habe, dass die Realität der Brüderlichkeit, von der er in seinem Buch 'Il fratello' (Der Bruder), aber auch in seinen anderen Büchern spricht, über seine Zeit hinausgeht und uns, seine Leser, erreicht. Es mag nicht leicht sein für jeden, Igino Giordani zu lesen, man braucht die Fähigkeit, eine Schwelle zu überschreiten, aber wenn man diese Schwelle einmal überschritten hat (das gilt auch für andere Autoren, selbst die Göttliche Komödie ist nicht leicht zu lesen), betritt man eine Realität, die einen mitreisst und in der man spürt, dass seine Liebe ankommt. Er schrieb aus Liebe und die Liebe kommt an. Für mich ist er ein Freund, ein Bruder, ein Lehrer, ein Vorbild, jemand, der mich führt und begleitet".

Zum 40. Jahrestag der Siedlung von Foco hat sich Igino Giordani "sichtbar" in seiner Stadt niedergelassen, er ist ihren Einwohnern nahe, die "Grosses" von diesem Geist erwarten, der die ganze Menschheit in seinem Herzen trug.

 

      

         




 [1] ‘Neuer’ Name den Chiara Lubich ihm gegeben hat

 [2 1974 in Poschiavo geboren, lebt in Chur, ist verheiratet mit Yail. Sie haben zwei Töchter.