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Nach der Gen Schule

"Sei du die Veränderung, die du in der Welt sehen willst" (Mahatma Gandhi).

 

Michel, kannst du uns etwas über deine Erfahrung an der Gen Schule erzählen?

Die Teilnahme an der Gen Schule war für mich etwas Neues: eine neue Welt. Mit einem Wort: eine Wiedergeburt. Ein Jahr der Gnade, der Entdeckung.... aber auch des Lernens, wie das Sprichwort sagt: "Das Ohr ist nie zu alt, um zu lernen".

Ich lernte, mich selbst zu kennen, meinen Bruder im gegenwärtigen Moment ohne Kalküls zu lieben. Ich kam aus mir selbst heraus, ich konnte die Unterschiede akzeptieren und mit reinem Herzen lieben. All dies dank des gemeinsamen Lebens sowohl mit den anderen Jugendlichen der Schule wie auch mit den Erwachsenen. Eine grosse Familie.

 

Wie war deineckkehr nach Afrika?

Ich war zuerst mit meiner Familie in Mali, dann ging ich an die Elfenbeinküste, um zu studieren und wohne jetzt in einem Haus mit anderen jungen Studenten.

Es war sehr schwierig für mich, denn die Erfahrung und das Leben in Gemeinschaft waren nicht dasselbe wie ich es in Montet erlebt habe. Ich wollte alles ändern, aber es schien unmöglich, etwas zu tun.

Nach sechs Monaten starken inneren Kampfes, ohne Erfolg, erinnerte ich mich an das, was ich in der Gen Schule entdeckt hatte: Indem man liebt, kann man die Welt um sich herum verändern. Von diesem Moment an beschloss ich, mich in den Dienst dieser jungen Leute zu stellen, zu kochen, wann immer ich konnte, Geschirr zu spülen, das Haus zu reinigen, das Zimmer aufzuräumen, usw., ohne etwas zu erwarten.

Die Freude, die ich jetzt in mir habe, ist immens und es ist schwierig, sie richtig auszudrücken. Die Beziehung zu den anderen jungen Menschen wächst jeden Tag und wird echter.

 

Die Wahl deines Studiums zeigt dein konkretes Engagement für eine geeinte Welt. Kannst du uns etwas über dein Leben an der Universität erzählen?

Ich habe mich in Politikwissenschaft, in Richtung Konfliktmanagement und Frieden eingeschrieben. Während unserer Sitzungen diskutieren wir politische und staatliche Themen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt aktuell sind.

Eines Tages ging es um regionale Integration und Konfliktprävention. Die Interventionen waren sehr intensiv. Ich habe mich zu Wort gemeldet, indem ich als Beispiel Europa erwähnte, das eine nahezu stabile Integration erreicht hat. Alle Europäer können sich heute frei bewegen. Das ist in Afrika nicht der Fall.

Ich habe die schlechte Regierungsführung, die Probleme der Unsicherheit, die Missbrauchsaktionen an den Grenzen angeprangert. Ein Klassenkamerad ergriff das Wort und sagte: "Michel, du kommst aus Europa, glaubst du, dass die Dinge gleich sind? Du rennst zu schnell."

Ein anderes Mal sprach ich mit einem Freund aus der Nachbarschaft und er fragte mich: "Michel, bist du ein Europäer oder ein Afrikaner?".

In der Schule sehen mich meine Klassenkameraden anders, sie sagen mir, dass meine Einstellung sehr gut ist, dass sie aber nicht der Situation in der Welt, in der wir leben, entspricht.

Es ist ein Kampf, den ich jeden Tag mache, indem ich akzeptiere, was die Welt und insbesondere Afrika durchmacht. Die Erfahrung der Gen Schule gibt mir immer Kraft, Geduld, Mut und vor allem Ausdauer, um meinen Beitrag zur Gestaltung und zum Aufbau einer lebenswerteren Welt zu leisten.