Foto: Archivio CRF

Virtueller Besuch des ÖRK - Genf

Der Ökumenische Rat der Kirchen bot den Jugendlichen der Schulen der Mariapoli-Foco in Montet die Möglichkeit, diese weltweite Institution, die sich mit dem Dialog zwischen den verschiedenen christlichen Kirchen in der Welt befasst, auf einer virtuellen Tour zu besuchen. Am 14. Januar erlebten Montet und Genf einen tiefgreifenden Moment in einem dynamischen Austausch im Geiste der Einheit.
In der Zeit vor der Pandemie trafen man sich jedes Jahr direkt, aber in der jetzigen Situation erwiesen sich die Treffen im Cyberspace als die beste Lösung. Das Überraschendste ist, dass die Virtualität fast nichts von dieser Erfahrung genommen hat: Am Schluss des Programmes hat sich die Sensibilität für die Ökumene bei allen verstärkt. 
Dr. Octavian Mihoc, stellte den Weltrat als die erste Allianz zwischen verschiedenen christlichen Konfessionen vor, die im Dienst ihrer jeweiligen Kirchen steht. Das Hauptziel des Rates ist es, alle christlichen Kirchen zusammenzubringen, die Jesus Christus als Erlöser anerkennen und die Heilige Dreifaltigkeit in ihre Fundamente aufnehmen. Der ÖRK ist die umfassendste ökumenische Gemeinschaft der Welt, mit 350 Partnerkirchen in 110 verschiedenen Ländern und der aktiven Beteiligung der orthodoxen, lutherischen, baptistischen, anglikanischen, methodistischen und reformierten Kirchen.
Beim virtuellen Besuch, beim genauen Betrachten der Kapelle und der Räume des ökumenischen Zentrums, wurde deutlich, dass das Gebäude, das die Organisation beherbergt, durch die gemeinsame Kraft der Gemeinden und materiellen Güter entstanden ist. Eine der afrikanischen Partnerkirchen hatte zwar nicht die Möglichkeit, den Bau mit Geld zu unterstützen, steuerte aber vor Ort produziertes Mahagoni-Holz bei. Dieses kostbare Material verkleidet nun die Wände der Haupthalle.
Nach den Ausführungen hörten die Teilnehmer eine Botschaft von Prof. Dr. Ioan Sauca, dem Generalsekretär, der betonte, wie sehr das Engagement und die Leidenschaft der Fokolar-Bewegung auch andere ermutigt, sich an vorderster Front für die Einheit einzusetzen.   "Gemeinsam beten wir, dass wir alle in der Liebe Christi den Mut und die Hoffnung finden, die uns helfen, auf dem Weg der Einheit, des Friedens und der Wahrheit zu bleiben", betonte Sauca.
Als Mitglieder der Fokolare war es für uns sehr wichtig, den Ökumenischen Rat und die Projekte, die in Zusammenarbeit von Chiara Lubich und dem ÖRK durchgeführt werden, kennen zu lernen. Die Bestrebungen zum Aufbau der Einheit der beiden Organisationen haben ähnliche Wurzeln, die beide auf dem Leitsatz der letzten Bitte Jesu beruhen: "Damit alle eins seien" (vgl. Joh 17,21). Die Fokolar-Bewegung mit ihrer Spiritualität der Einheit betont, dass die Wirksamkeit der Ökumene wesentlich ist, um Frieden in der Welt zu erreichen und arbeitet aktiv mit dem Ökumenischen Rat zusammen. Mehrere Mitglieder der Fokolare haben im Genfer Büro gearbeitet und arbeiten dort noch heute.  Valter Munaz, erzählte, wie wichtig es für ihn ist, zu erleben, dass er durch das Zusammensein im Geist der Einheit die Harmonie zwischen den christlichen Konfessionen konkret fördern kann.
Die Veranstaltung endete mit einem intensiven ökumenischen Gebet, das von den Jugendlichen vorbereitet worden war, und endete mit der Rezitation des Friedensgebets von Chiara Lubich, das zum ersten Mal bei einem Treffen des Ökumenischen Rates der Kirchen gesungen wurde.
Als Reformierte war ich in der Fokolar-Gemeinschaft in Transylvanien immer in der Minderheit, da die meisten jungen Leute der katholischen Kirche angehören. Gemeinsam mit ihnen habe ich wirklich gelernt, wie man Ökumene mit konkreten Aktionen leben kann. Das verlangte von mir anfangs eine ernsthafte Anstrengung, um mich zu integrieren, z.B. indem ich eine katholische Kirche betrat, die anders ist als meine Kirche, in der sich nur das Wesentlichste befindet. Lange Zeit beteiligte ich mich nur als Aussenstehende: körperlich anwesend, aber im Geiste gab es mehr Fragen als Gewissheiten. Mit der Zeit habe ich gelernt, jene Bereiche zu erkennen, die mir auch ein volles geistiges Engagement ermöglichen. Abgesehen von der Eucharistie gibt es fast nichts, wo ich mich nicht voll einbezogen fühle. Ich habe verstanden, wie ich die Kirche meiner Freunde respektieren und schätzen kann, und welche neuen Aspekte sie mich über meinen Glauben lehren kann. 
Wenn ich mit meinen Freunden die Messe besuchte, wurde ich manchmal gefragt, warum ich nicht katholisch werden wollte. Meine Antwort war immer, dass dies nie der Fall sein wird. Dabei bin ich überzeugt, dass ich durch Gottes Gnade zur reformierten Kirche gehöre und als solche ein noch festerer und sichtbarer Baumeister der Einheit und Ökumene bin. Als Reformierte bin ich gleichzeitig der katholischen Kirche verbunden, aber ich bin eigentlich reformiert.  
Ich lebe die Traditionen meiner Kirche intensiv und lebe das Ideal der Einheit mit meiner Gemeinschaft im Fokolar.  Sie sagen mir, dass meine Anwesenheit sie ständig daran erinnert, dass Ökumene der erste Schritt zur Einheit ist. Deshalb bedeutete mir unsere “geistige" Führung durch den Ökumenischen Rat der Kirchen so viel.
 
Dénes Petra