Foto: Rebeca Leon

Vom Heiligen Land zum Vorsitz der Fokolar-Bewegung

1962 in Haifa, Israel, geboren hat der Aufbau der Einheit und des Dialogs ihr Leben immer geprägt. Schon als Kind nahm sie die Schönheiten und Schatten der kulturellen und religiösen Vielfalt ihres Landes in sich auf. Sie ist die Tochter einer Nation, die sich einen stabilen Frieden wünscht, und sie arbeitet daran, diesen zu fördern. Sie ist Margaret Karram, die neu gewählte Präsidentin der Fokolar-Bewegung, die ihre neue Aufgabe mit der gleichen Schlichtheit angeht, die sie auszeichnet. Wir sprechen über die Ergebnisse der Generalversammlung der Fokolar-Bewegung und die Reaktionen der Gemeinschaft der Bewegung im Heiligen Land mit Maria, einer jungen Frau aus Haifa, zur Zeit an der Gen-Schule hier.

Wie lange kennst du Margaret schon?

Ich kenne sie seit meiner Kindheit, weil ich in der gleichen Stadt wie sie geboren wurde. Ich erinnere mich, dass sie bei den von den Focolare organisierten Treffen sehr aktiv war. Da spürte ich, Teil einer grossen Familie zu sein. Zugleich ist sie auch eine entfernte Cousine von mir....

Was war dein erster Eindruck, als du hörtest, dass sie die neue Präsidentin geworden ist?

Zuerst konnte ich es nicht glauben, dann spürte ich ein grosses Glück und Frieden: Ich war tief berührt. Jeden Tag die Nachricht von der Vollversammlung zu erhalten, war für mich eine Quelle der Freude und der Gnade. Bei der Vorstellung der offiziellen Liste der möglichen neuen Präsidentinnen hegte ich keine Erwartungen.

Du bist auch in Haifa geboren und aufgewachsen, was sind die wichtigsten religiösen und kulturellen Gegensätze?

In meiner Stadt gibt es eine grosse Vielfalt an Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen: Araber, Juden, Christen, Drusen, Bahai und Muslime. Das ist die Realität, in der ich geboren und aufgewachsen bin, und für mich war das nie etwas Ungewöhnliches.  Es ist eine schöne, komplexe Gegebenheit und es war nicht immer einfach; oft war es die grosse Herausforderung eines jeden Tages in meinem Alltag. In der Schule waren wir Christen und Muslime. Wenn ich zum Tanzunterricht ging, war die Person neben mir jüdisch, meine Lehrerin war jüdisch. Im Bus traf ich Leute aus Afrika, vor allem aus Äthiopien, aus Russland, der Ukraine, den Philippinen, Indien... Meine Stadt ist berühmt für dieses Zusammenleben. In Haifa engagiert sich die Fokolar-Bewegung für einen offenen Dialog mit allen und versucht, mit diesen verschiedenen Gemeinschaften zusammenzuarbeiten. So haben zum Beispiel beim 'Run4unity'[1] im Jahr 2008, den wir am Strand organisiert haben, viele Menschen verschiedener Religionen teilgenommen: Christen, Muslime und Juden zusammen. Damals war ich noch klein, aber ich erinnere mich, dass es fantastisch war.

Wie würdest du Margaret beschreiben, nachdem du sie getroffen hast?

Sicherlich ist sie ein Mensch mit einem grossen Herzen, das sich in ihrem schönen Lächeln widerspiegelt, und einem friedlichen Geist. Sie ist sehr intelligent und sehr aufgeweckt. Ich bewundere sie sehr als Person und schätze ihre ausserordentliche Erfahrung im interreligiösen Dialog.

In welchem Sinne könnte Margaret eine Pionierin sein und welche "Farbe" könnte sie in die Bewegung einbringen?

Bei einem bin ich mir sicher: Sie wird neue Horizonte eröffnen. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass sie einen tieferen Dialog zwischen verschiedenen Rassen, verschiedenen Kirchen, verschiedenen Kulturen, verschiedenen Religionen zustande bringen wird. Sie wird versuchen, jedem dieses Gefühl der Familie zu geben, von dem sie spricht. Ich kann es kaum erwarten, zu sehen, was geschehen wird.

Was bedeutet die Tatsache für dich, dass sie aus deiner Stadt kommt?

Dass für Gott nichts unmöglich ist. Ich bin dafür sehr dankbar und sehr glücklich, ich bete für sie und Jesus Moran (Kopräsident), denn sie haben eine grosse Verantwortung. Meine Familie und die Gemeinschaft der Bewegung in meiner Stadt sind sehr glücklich über diese Wahl. Auch wenn ich jetzt weit weg von zu Hause bin, hat ihre Begeisterung mich auch hier in Montet erreicht. Ich habe viele Nachrichten erhalten. Sie alle sagen, dass dies eine enorme Gnade und eine grosse Freude für die Mitglieder der Fokolar-Bewegung im Heiligen Land ist.

 

Petra Dénes