Foto: Archivio CRF

Moïse Kouman Kouakou - Elfenbeinküste

Mein Leben mit Jesus dem Verlassenen

 

            Ich bin seit zwei Jahren in Algerien, in einer historischen algerischen Stadt: Tlemcen. Ich lebe mit neun Brüdern verschiedener Nationalitäten im Fokolar. Ich erzähle euch einige schwierige Momente aus meinem Leben und meine Entdeckung des gekreuzigten und verlassenen Jesus.

            Ich bin der Jüngste in einer Familie von zehn Kindern. Mein Vater war Landwirt. Seine Plantagen wurden versehentlich von einem Unbekannten niedergebrannt. Meine Familie war in finanziellen Schwierigkeiten, aber es entstand eine Solidarität zwischen den Kindern, die Älteren kümmerten sich um die Jüngeren. Einer meiner Brüder, ein Maurer, der vorhatte, ein Immobiliengeschäft zu gründen, starb im Jahr 2000 an den Folgen einer Krankheit; sein jüngerer Bruder wurde während des Krieges an der Elfenbeinküste (von 2002 bis 2012) getötet. Eine meiner Schwestern, von Beruf Näherin, die die finanzielle Last meiner Schule und meiner Familie auf sich genommen hatte, starb nach einem Raubüberfall. Ein weiterer Bruder starb noch jung, und zwei weitere Schwestern starben an einer Krankheit. Von den zehn Kindern leben nur noch vier von uns. Mein Vater starb 2014 nach einer Operation, die ihn nicht retten konnte. Mein Leben war zutiefst von diesen plötzlichen Todesfällen geprägt. Ich hatte nicht genug Zeit, über den Hinschied dieser Menschen, die ich so liebte, zu trauern, weil die Zeit zwischen ihren Wegganges so kurz war. Mein Leben wurde auf den Kopf gestellt.  Was kann ich sonst noch sagen?

            Seit meiner Kindheit hatte ich gesundheitliche Probleme. Ich entdeckte, dass ich eine chronische Krankheit hatte, die schmerzhafte Anfälle verursachte, die im Laufe meines Lebens immer wieder auftreten würden. Ich verstand nicht, warum ich so sehr litt, ich hatte keine Erklärung für meine Schmerzen.

            Meine prekäre Gesundheit und der Verlust meiner Lieben hinderten mich nicht daran, meine Pläne und Träume weiterzuführen. Im Jahr 2012 spürte ich Gottes Ruf zum Fokolar. Ich besuchte die Ausbildungsschule der Fokolar-Bewegung in Loppiano, Italien, und dann in Montet, Schweiz. Mein Leben ist in diesen Jahren aktiver geworden, ich habe gelernt zu schwimmen, Fussball zu spielen, mehrere Kilometer mit dem Fahrrad zu fahren, Tätigkeiten, die ich vorher wegen der Krankheit nicht ausüben konnte.

            Im Sommer 2017 in Montet spüre ich plötzlich einen scharfen Schmerz in meiner rechten Hüfte. Ich muss für mehrere Wochen im Bett bleiben. Die Untersuchungen zeigen eine Nekrose des Hüftkopfes. Es ist eine heikle Operation, aber sie ist durchführbar.

            Der Schmerz, anfangs schleichend und mässig, weckt mich nachts auf. Dann wird er intensiver und kommt, wenn ich gehe oder mich bücke, fast wie ein knirschendes Gefühl. Die Schmerzen kommen wie ein Messerstich in der Leiste, wenn ich gehe, mich anstrenge oder meine Position wechsle. Es ist ein harter Schlag für mich, in meiner Mobilität eingeschränkt zu sein, und mich mit Krücken bewegen zu müssen. Es ist der Zusammenbruch all meiner Träume. Ich frage mich, hat Schmerz einen Sinn? In diesem immer sich wiederholenden Leiden frage ich Gott: "Aber was willst Du von mir? Liebst Du mich wirklich mit all dem, das ich erlebt habe? Ist die Krankheit, unter der ich mein ganzes Leben lang leiden muss, nicht genug? Warum muss ich immer noch mehr leiden?"

            Die Liebe, Aufmerksamkeit und Unterstützung der Fokolare von Montet helfen mir, aus mir selbst herauszukommen und an die Liebe Gottes zu glauben. Mit ihrem Rat und ihrer Ermutigung helfen sie mir, die Hoffnung nicht zu verlieren und in Freude zu bleiben. So beginne ich, den Menschen, denen ich begegne, Freude zu schenken, vielleicht nur mit einem Lächeln. Dies ist einer der schönsten Momente in meinem Leben. Wie viel Liebe habe ich in dieser schmerzhaften Zeit empfangen und gegeben!

            Ich möchte Jesus voll und ganz vertrauen, aber das ist nicht immer einfach. Es ist nicht leicht, über die Leiden Jesu nachzudenken und ihm die meinen darzubieten. Wenn ich zur Untersuchung ins Krankenhaus gehe, kommt es vor, dass die Ärzte ein neues Problem entdecken; wenn ich dann Jesus am Kreuz anschaue, sage ich mir: "Er muss auch viel gelitten haben". Durch die die Annahme dieser Schmerzen, verstand ich besser, wer Jesus der Gekreuzigte und Verlassene ist. Es kam zu einer echten Begegnung mit ihm. Aus Liebe zu uns nahm er seine Leiden an, und ich verstand, dass ich weiter leben und lieben muss: Nur in der Liebe wird mein Leben einen Sinn haben, sonst wird mein Menschsein angesichts der Absurdität des Leidens zerrüttet.

            Oft akzeptiere ich meine Probleme und Leiden mit vielen Fragen und ohne Antworten zu haben. Meine Aufgabe besteht darin, weiterhin an Gottes Liebe zu glauben, meinem Leben einen Sinn zu geben und nicht aufzugeben. Diese Erfahrung meiner geprüften Menschlichkeit bereichert mich und fordert mich auf, einen Sprung in der Liebe wie Jesus am Kreuz zu machen. Jesus gibt meinem Leben Sinn und gibt mir die Kraft, weiterzumachen. Jeden Tag spüre ich die Gegenwart Gottes und eine tiefe Vertrautheit mit Ihm, dem Verlassenen.

 

 

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